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Dieses Schreiben richtet sich an
Personen, die beabsichtigen, Ihren Körper nach dem Ableben dem Anatomischen
Institut für Lehr- und Forschungszwecke zur Verfügung zu stellen. Nachfolgend
möchten wir Sie über die Bedeutung und über den Ablauf der Körperspende
informieren, um Ihnen Ihre Entscheidung zu erleichtern.
Bedeutung der Körperspende
Das Anatomische Institut der
RWTH-Aachen benötigt Körperspenden für drei große Arbeitsfelder:
1.
Ausbildung von Medizinstudenten
2. Weiterbildung von Ärzten im Rahmen der
Facharztausbildung zum Einüben neuer Operationsmethoden und
Untersuchungstechniken
3. Wissenschaftliche Untersuchungen zur
Entwicklung neuer Operationsverfahren und
zur Aufklärung der Vielfalt anatomischer Strukturen
In der Ausbildung der Medizinstudenten hat unser Institut die Aufgabe,
künftigen Ärzten Kenntnisse über den Aufbau des menschlichen Körpers zu
vermitteln. Dieses Wissen ist die Grundvoraussetzung, um angehenden Ärzten eine
anschauliche und gründliche klinische Ausbildung zu ermöglichen. Die
komplizierten Lagebeziehungen der Organe und Körperteile zueinander lassen sich
nur unzureichend aus Büchern und Bildern erfassen. Daher ist das praktische
Arbeiten an einem toten Körper im Präparierkurs der wichtigste Teil des
anatomischen Unterrichts. In den Präparierkursen wird den Medizinstudenten die
Möglichkeit geboten, Körperregionen, Organe und anatomische Strukturen zu
erkennen, zu "begreifen" und ihre räumlichen Beziehungen zueinander
zu verstehen.
Die Weiterbildung von Ärzten wird in Kursen gewährleistet. Hier bieten
z. B. chirurgische Spezialisten Unterweisungen in Operationstechniken an. Dabei
werden nicht nur bekannte Methoden vermittelt, sondern auch neue
Operationsverfahren erklärt und eingeübt. Diese Veranstaltungen dienen zudem der
Auffrischung und Vertiefung des anatomischen Wissens, das detailliert und für
die Praxis aufbereitet dargeboten wird.
Für die anatomische Forschung werden Körperspender in
großer Zahl benötigt. So wird unter anderem die unterschiedliche Ausprägung und
Lage von Gefäßverläufen, Knochen und Organen erfasst, die für medizinische
Eingriffe von Bedeutung sind. Oder es werden neue Operationszugänge entwickelt
und ausgetestet.
Jeder, der seinen Körper nach dem
Ableben einem Anatomischen Institut zur Verfügung stellt, erweist daher einen
sehr großen Dienst für die Ausbildung junger Ärzte, die Weiterbildung von aktiv
tätigen Ärzten und die medizinische Forschung. Die Körperspender leisten damit
einen wertvollen Beitrag zum Erhalt des hohen Qualitätsniveaus der Medizin und
Krankenversorgung in Deutschland. Wir betrachten Ihre Körperspende als einen
Akt der Nächstenliebe über den Tod hinaus, mit dem Sie ein unschätzbares
Geschenk Ihren Mitmenschen machen.
Formalitäten
Das Sekretariat der Prosektur
übersendet Ihnen auf Anforderung eine Vermächtnis-Erklärung,
in der alle relevanten Daten abgefragt werden. Dieses Dokument müssen Sie
eigenhändig unterschreiben, eine notarielle Beglaubigung ist nicht
erforderlich. Sie erhalten dann von uns einen Körperspenderausweis, den Sie
bitte zusammen mit Ihrem Personalausweis mit sich führen. Wir empfehlen Ihnen,
eine Kopie der Vermächtnis-Erklärung zu Ihren persönlichen Papieren zu legen
und Ihren Hausarzt über Ihr Vermächtnis zu informieren.
Im Todesfall wird das Anatomische Institut durch Ihre nächsten
Angehörigen, Ihren behandelnden Arzt oder das Krankenhaus informiert. Die
Überführung des Leichnams in die Anatomie erfolgt durch ein von uns
beauftragtes Beerdigungsinstitut. Die hierbei entstehenden Kosten übernimmt das
Anatomische Institut.
Sollten Sie Ihren Wohnsitz verlegen
und die Entfernung von Aachen mehr als 30 km betragen, ist beabsichtigt, den Leichnam
einem anderen Anatomischen Institut zuzuführen. Wird der Verstorbene dort nicht
angenommen, ist das Vermächtnis als gegenstandslos anzusehen; Überführungskosten
von anderen Orten oder aus dem Ausland können wir leider nicht übernehmen. Wir
bitten Sie daher, uns jede Änderung Ihrer Wohnadresse mitzuteilen.
Was geschieht mit dem Körper in der Anatomie?
Der Leichnam wird mittels einer chemischen
Konservierung haltbar gemacht. Da für die Konservierung eine etwa halbjährige
Vorbereitung benötigt wird und die Präparierkurse mehrere Monate dauern,
vergeht in der Regel ein Zeitraum von ein bis zwei Jahren zwischen dem Ableben
und der Beisetzung. Bei Vermächtnissen, in denen auf eine Bestattung verzichtet
wird, verbleiben die Leichname langfristig im Institut. Sie werden entweder
später anonym eingeäschert oder dauerhaft in der Skelettsammlung archiviert.
Spielen Alter, Krankheit oder Autopsie in der Pathologie eine Rolle für
die Körperspende?
Es besteht keine Altersgrenze.
Eine Übernahme des Leichnams kann jedoch bei schweren Infektionskrankheiten
abgelehnt werden. Wir werden daher, Ihr Einverständnis vorausgesetzt, bei Ihrem
Hausarzt bzw. bei Ihrem behandelnden Arzt entsprechende Informationen einholen.
Vorangegangene Autopsien in der Pathologie können ebenso zur Ablehnung der
Körperspende führen.
Welche Kosten entstehen durch die Körperspende?
Auf Grund des Wegfalls des Sterbegeldes, das vor dem 1.1.2004 von der
gesetzlichen Krankenkasse gezahlt wurde, und der gestiegenen Kosten ist für die
Körperspende ein Unkostenbeitrag in Höhe von 500,-- € zu entrichten.
Was passiert im Anschluss an die
Präparation?
Zum Ende des Wintersemesters,
d.h. meistens Mitte Februar, findet für die Angehörigen aller Körperspender
eines Jahres eine ökumenische Gedenkfeier statt. Dieser Gottesdienst wird von
den Studierenden mitgestaltet und bietet die Gelegenheit, den Spendern zu danken
und von Ihnen Abschied zu nehmen. Erdbestattungen und Urnenbeisetzungen finden
auf dem Aachener Westfriedhof statt, auf dem das Anatomische Institut eigene
Gräberfelder besitzt.
Rücktritt von der Körperspende
Es steht Ihnen frei, jederzeit und ohne Angabe von Gründen Ihre
letztwillige Verfügung über Ihre Körperspende zu widerrufen. Dazu bedarf es
einer kurzen schriftlichen Nachricht.
Prof. Dr. med. R. Leube
Prof. Dr. med. A. Prescher
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